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Pädagogik – SOL: Stellungnahme der IG Schule NiNiHo (Überblick)

Vorab möchten wir festhalten:
Wir sind NICHT gegen SOL (Selbst-Organisiertes Lernen) an und für sich, wenn es als eine von vielen Lernmethoden angewendet wird, so wie dies schon lange an diversen Schulen praktiziert wird (sorgfältig eingeführt & betreut, in moderatem Rahmen).

  • Die Art und Weise, wie SOL hier, im Schulhaus Seehalde, behandelt wird, ist aber gemäss unseren Recherchen nicht förderlich für die Schüler (geplant ist, das System auch im Eichi einzuführen; unter dem Druck der IG und der Stimmbürger wurde dies nun hinausgeschoben).
  • Die beispiellose Radikalität, mit der SOL an der Seehalde durchgeführt wird, besorgt uns sehr. Die Schulpflege behauptet zwar, dass die SchülerInnen nur einen Viertel oder Drittel aller Stunden selbstorganisiert im Atelier (hier Office genannt) verbringen, aber diese Aussage ist irreführend:
    Da Fächer wie Sport, Handarbeit, Hauswirtschaft etc. nicht im Atelier durchgeführt werden können, sollten sie nicht mitgezählt werden bei den Prozentberechnungen.
    Wenn wir nämlich die Kernfächer, wie Mathe, Deutsch, Franz und Englisch anschauen, auf die es für die meisten Bewerbungen für Lehren primär ankommt, dann müssen diese Kernfächer (total 18 Lektionen gemäss Lehrplan) an der Seehalde laut Schüleraussagen zu mindestens 50% von den Schülern selbständig erarbeitet werden.
  • Es liegen uns Aussagen einer Lehrperson der Seehalde vor, dass in den Fremdsprachen von den offiziellen 3 bezw. 4 Wochenlektionen meist 2 im Office Eine Fremdsprache sollte aber so oft wie möglich interaktiv in einer Gruppe gesprochen und gehört werden, wo die Fachlehrperson Aussprache und Grammatik sofort korrigieren kann. Ein iPad ist ein höchst unzureichender „Lehrer“.
  • Wir protestieren gegen die Art und Weise, wie Atelierunterricht stattfindet:
    • Praktisch alle Unterrichtsmaterialien sind auf iPad; daher benutzen alle Schüler ihr iPad mehrere Stunden pro Unterrichtstag. Schulbücher werden im Atelier faktisch nicht eingesetzt, obwohl das die Schulpflege immer wieder behauptet. Unsere Kinder widersprechen dem ganz klar. Neuerdings (d.h. auf Druck der IG) werden Farbkopien aus Schulbüchern ausgeteilt: Warum nicht die Bücher selbst? => Vermutung liegt nahe, dass zu wenige Schulbücher vorhanden sind, weil sie in grossem Stil in eine Mulde geworfen wurden (Schüleraussagen).
    • zusätzlich dürfen die Schüler ihre Smartphones im Office frei benützen: zum Musikhören, Fotografieren, Chatten, Spielen etc. Es ist immer noch möglich, während des Ateliers Spiele, Fotos (!) etc. frei vom Internet herunterzuladen, obwohl das bestritten wird; wir haben Beweise auf Handys unserer Kinder gesehen.
    • Der sehr freie Betrieb (wie z.B. auch in den Fernsehaufnahmen von Schweiz aktuell ersichtlich) mit herumlaufenden, sich auf Sofas lümmelnden, mit einander elektronisch kommunizierenden Schülern behindert die Lernkonzentration der meisten beträchtlich.
    • Wir haben Fotos und Filmsequenzen, die beweisen, dass manchmal keine Lehrperson den Atelierbetrieb beaufsichtigt; und wenn diese anwesend sind, wird viel zu wenig nachhaltig kontrolliert, ob die SchülerInnen tatsächlich arbeiten. Wir wissen von vielen Schülern, die im Office gar nichts für die Schule arbeiten, die aber deswegen nicht gemassregelt werden.
    • Wenn ein Schüler Fragen zum Fach hat, ist meistens systembedingt die zuständige Fachlehrperson nicht anwesend, darum muss er per Computer mit seiner Fachlehrperson einen Termin vereinbaren, um diese Fragen zu klären. Wie effizient und motivationsfördernd ist denn so ein kompliziertes System?
    • Die Schüler dürfen individuell Pausen machen, solange sie wollen. Diese Freiheit soll angeblich ihre Arbeitsmotivation erhöhen.
  • Da wir alle aus Erfahrung wissen, wie Teenager ticken, erstaunt es uns nicht, dass eine Mehrheit von ihnen einen solch laschen Atelier-Betrieb „cool“ finden, darum beeindrucken uns entsprechende Umfragen zur Schülerzufriedenheit überhaupt nicht.
  • Schule soll nicht primär cool sein, sondern sie soll
    • Wissen vermitteln
    • Fähigkeiten trainieren
    • die Schüler zum effizienten und nachhaltigen Lernen anleiten
    • die Schüler mit vielfältigen Lernmethoden und -strategien bekannt machen
    • Leitlinien, Orientierungshilfen geben, mit Lehrpersonen als Experten und Vorbilder, anstatt als blosse Lernbegleiter (Coach genannt)
    • die Schüler für die Lehre und das Leben vorbereiten (wo man bekanntlich selten selbstbestimmt und nach Lust und Laune den Tag verbringen kann!)
  • Nicht nur wir Eltern wissen, dass die meisten Kinder im Teenager-Alter mit Selbstverantwortung heillos überfordert sind, auch die Hirnforschung hat es bewiesen:
    • Mit Einsetzen der Pubertät findet ein grosser Umbruch im Hirn der Jugendlichen statt, gewisse Verbindungen, die in der Primarschule noch vorhanden waren, werden aufgelöst und allmählich neu geformt. Diese Entwicklung dauert Jahre und ist erst mit 20-25 Jahren abgeschlossen.
    • Noch nicht ausgereift ist ausgerechnet der Hirnbereich (genannt Frontalkortex), der zuständig ist für (unter anderem):
      • Selbstdisziplin
      • Planung
      • Motivation
      • Verantwortung
      • Konsequenzen des eigenen Handelns verstehen
    • Genau diese Fähigkeiten wären aber nötig für ein selbstorganisiertes Lernen!
    • Weil die Teenager noch keine volle Verantwortung für sich übernehmen können, kennt unsere Gesetzgebung ein Jugendstrafrecht, das dies berücksichtigt. In der Schule soll es aber funktionieren, dass 13-16jährige ihre Bildung selber planen?
  • Wir bezweifeln stark, dass mit den vielen Atelierstunden gewährleistet werden kann, dass der Lehrplan eingehalten wird.
    • Beispiel: Wenn von den obligatorischen 6 Lektionen Mathe 4 Lektionen ins Atelier verlegt werden*, wie garantiert die Schule, dass die Schüler tatsächlich an diesen Fächern arbeiten? Sie dürfen sich ja selber aussuchen, was sie lernen wollen und sie dürfen sich selber ein Häklein machen, wenn sie die Aufgaben angeblich gelöst haben. *diese Zahlen entnehmen wir einem Stundenplan, der uns von der Schule offiziell geschickt wurde
  • Wir kritisieren, dass es keine systematischen Kontrollen der erfolgten Arbeiten der Schüler mehr gibt. Die schriftlichen Übungen werden auch nicht regelmässig durch die Fachlehrperson korrigiert. Selbstkorrekturen durch die Lernenden oder durch Mitschüler sind aber erfahrungsgemäss sehr ungenau! Wir haben viele Berichte von Eltern, dass die schriftlichen Arbeiten ihrer Kinder monatelang oder gar nie durch die zuständige Fachlehrperson kontrolliert worden sind.

 

Daher möchten wir per sofort erreichen:

  • Bezüglich SOL-Stunden: Nicht mehr als 20 % aller (für Aufnahmeprüfungen und Multichecks besonders relevanten) Kernfächer (Mathe, Deutsch, Französisch und Englisch) dürfen in Lernatelier/Officestunden absolviert werden.
  • Bezüglich Betreuung durch Lehrpersonen: Eine genauere, systematische Betreuung und Kontrolle der Arbeiten eines jeden Schülers, in jeder Atelierstunde durch die qualifizierten Lehrpersonen; und nicht durch Mitschüler, die sogenannten „Expertenstatus“ erlangt haben. Wir haben Berichte von Schülern, die als „Experten“ eingesetzt werden, die mit dieser Rolle überfordert sind: Sie werden z.T. bestochen, oder von ihren Freunden bedrängt, sie können gar keine unabhängigen Beurteilungen abgeben – und wozu sind denn die Lehrpersonen da?
  • Bezüglich dem Einsatz von Mitschülern: Nur während den Atelierstunden oder in der Freizeit, zur gegenseitigen Motivation, zum „Abhören“ von Lernstoff, zum Erklären von Lernstoff, zum Üben von Dialogen, zum Austausch von Lerntricks; nicht aber zur Kontrolle oder zur Bestätigung, dass gewisse Arbeiten durchgeführt oder Fähigkeiten beherrscht werden. Kein Ausfüllen der sogenannten „Kann-Listen“ ohne Kontrolle durch die Fachlehrperson!
  • Bezüglich dem Einsatz der Klassenassistentinnen: Nur zur Motivation einzelner Schüler, um Schüler mit Konzentrationsschwierigkeiten zu helfen, bei der Sache zu bleiben und nicht aufzugeben, zum Wiederholen der geforderten Aufgabestellung, zur Kontrolle, ob diese verstanden wurde; aber nicht zur Atelieraufsicht; nicht zum Vermitteln von Stoff, kein Erklären und kein Korrigieren, dies ist die Aufgabe der dafür ausgebildeten Lehrpersonen und Heilpädagogen!

Leserbrief

Durchgewinkt trotz Lug und Trug

Einem Teil der Bevölkerung der Kreisgemeinde Niederhasli Niederglatt Hofstetten scheint das Geld ganz locker in der Tasche zu sitzen, wenn sie eine Rechnung knapp gutheisst, der selbst die RPK ein mangelhaftes Zeugnis ausstellt. Die Schulpflege lieferte seit 8 Monaten die nötigen und aufgeforderten Zahlen und Daten zu ICT-Fragen nicht ab, im Abstimmungsheft publizierte die Behörde (wissentlich?) zwei Fehler und liess den RPK-Bericht auf der Schulverwaltung liegen, so dass dieser bei Aktenauflage am 26.5.16 nicht vorhanden war! Der Schulpräsident selbst äusserte sich an der Versammlung dahingehend, die RPK sei mit den Konten und deren Inhalten nicht zurechtgekommen und hätte deshalb zusätzliche Informationen verlangt, welche jedoch noch ausstehen, obwohl die Rechnungsabnahme seitens RPK zwischenzeitlich abgeschlossen und die Rechnung zur Abnahme empfohlen wurde. Diese Aussage an sich lässt schon durchblicken, welches Chaos augenscheinlich herrscht! Und dann musste sich die RPK betreffend mangelnder Transparenz gar selbst rechtfertigen und relativieren. Aber anscheinend ist es bei der Schulverwaltung Niederhasli – Niederglatt – Hofstetten üblich, zuerst Geld auszugeben, um erst danach Rechenschaft darüber ablegen zu müssen. Ein wahrlich eigenartiges Demokratieverständnis.

Immerhin wurde der „Namenswechsel“ von Niniho zu Eduzis nun endlich, wie nicht anders vermutet, als Logowechsel entschuldigt; notabene kostete das Ganze stolze 108‘000 Franken!

Viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger erkannten wohl bereits anhand des RPK-Berichtes, dass weder das Budget noch die Jahresrechnung mit genügender Sorgfalt seitens RPK geprüft wurde. Die gestellten Fragen zur Jahresrechnung zeigten ebenfalls Lücken bei der Sorgfaltspflicht der Schulpflege auf. So wurde die Rechnung 2015 mit lediglich 69:66 Stimmen, bei 9 Enthaltungen, gutgeheissen.

Ist SOL schlecht?

Ist SOL schlecht?

Oft werden in der Debatte über eine gute Schule Dinge einander gegenübergestellt, die nicht wirkliche Gegensätze sind, oder die nicht in „Gut und Böse“ eingeteilt werden können.

Zum Beispiel geht es nicht um SOL (selbstorganisiertes Lernen) versus „Frontalunterricht“: Erstens wird letzterer so schon seit Langem von niemandem mehr praktiziert; auch traditionelle Lehrpersonen wenden in ihren Unterrichtslektionen immer mehrere Unterrichtsformen an; und SOL ist nicht etwas neu, sondern wird – massvoll dosiert – schon seit Jahrzehnten angewendet (etwa in der Primarschule mit den bekannten Wochenplänen oder auf allen Stufen mit Vorträgen und anderen Projektarbeiten). Es geht also nicht darum, eine Lernmethode gegen eine andere auszuspielen, sondern um ein ausgewogenes Mass. Eine Schule mit 450 SchülerInnen nach praktisch nur einer Methode auszurichten ist nicht nur totalitär und indoktrinierend, sondern es wiederspricht der gesetzlich verbürgten Lehr- und Methodenfreiheit der Lehrpersonen! Eine Vielfalt von Schülern verlangt nach einer Vielfalt von Lernstrategien! Eine Vielfalt von Lehrpersonen, welche die Lehrmethode anwenden, für die sie sich am besten eignen, garantiert einen diversifizierten, bestmöglichen Unterricht! Lehrpersonen sollen Rollenmodelle und Vorbilder für die Schülerinnen und Schüler sein, und ihnen in jeder Lernsituation zur Verfügung stehen, ihr Wissen und ihre Erfahrung sind nicht durch I-Pads ersetzbar! Doch selbstverständlich haben auch I-Pads Platz im Unterricht: Als schuleigene Geräte gezielt und massvoll eingesetzt, und begleitet von der Lehrperson. Persönliche Smartphones und von der Schule bezahlte I-Pads für jeden einzelnen, die auch in der Freizeit benutzt werden dürfen, haben hingegen keinen Platz an der Volksschule!

Suzanne Weigelt, ehemals Lehrerin an der Seehalde