Monthly Archives: Mai 2016

Technisierte Schule = bessere Schule?

Technisierte Schule = bessere Schule? Keine Glosse:

Die „Eduzis“-Sekundarschulen in Niederhasli und Niederglatt setzen auf Technik in fast allen Bereichen: In den Hauptfächern werden die altmodischen Lehrpersonen, die früher als Fachexperten immer im Klassenzimmer anwesend waren durch I-Pads ersetzt! Der Bildschirm löst den Blickkontakt, die Computerstimme den Dialog mit der Lehrperson und den Mitschülern ab. Anstatt etwas (auswendig) gelernt und begriffen zu haben, wird im Internet nach der Antwort gesucht. Nachhaltig ist das überhaupt nicht, aber was soll’s? Das Internet via iPad ist ja allzeit griffbereit und somit kann man alles Wissen auf der Welt jederzeit und immer wieder von Neuem nachschauen! Sprachunterricht findet zu oft am Computer, im Selbststudium, als im lebendigen Unterricht statt. Deutsche Rechtschreibung? Muss man nicht mehr lehren, es gibt ja schliesslich Korrekturprogramme! Hat eine Schülerin doch mal eine Frage, so macht sie flugs per I-Pad einen Termin mit der zuständigen Fachlehrperson ab, dafür gibt es Formulare, ja es bekommt sogar notenrelevante Punkte gutgeschrieben, wer solche Termine bucht! – Wem so ein Unterricht per Internettermin mit dem Fachlehrer kompliziert vorkommt, der ist doch hoffnungslos retro!

Prüfungen schreibt jeder, wann er oder sie bereit ist dazu – man ist ja schliesslich Individualist und will sich nicht vorgeschriebenen Terminen unterwerfen! Ob das eine gute Vorbereitung für die Arbeitswelt ist? Das kümmert doch die Schulleitung nicht, die müssen ja keine Lehrlinge ausbilden.

Was sich wie eine Glosse oder ein Horrorszenario aus einem Science Fiction-Film liest, ist an der Seehalde in Niederhasli Schulalltag!

 

Suzanne Weigelt

Ist SOL schlecht?

Ist SOL schlecht?

Oft werden in der Debatte über eine gute Schule Dinge einander gegenübergestellt, die nicht wirkliche Gegensätze sind, oder die nicht in „Gut und Böse“ eingeteilt werden können.

Zum Beispiel geht es nicht um SOL (selbstorganisiertes Lernen) versus „Frontalunterricht“: Erstens wird letzterer so schon seit Langem von niemandem mehr praktiziert; auch traditionelle Lehrpersonen wenden in ihren Unterrichtslektionen immer mehrere Unterrichtsformen an; und SOL ist nicht etwas neu, sondern wird – massvoll dosiert – schon seit Jahrzehnten angewendet (etwa in der Primarschule mit den bekannten Wochenplänen oder auf allen Stufen mit Vorträgen und anderen Projektarbeiten). Es geht also nicht darum, eine Lernmethode gegen eine andere auszuspielen, sondern um ein ausgewogenes Mass. Eine Schule mit 450 SchülerInnen nach praktisch nur einer Methode auszurichten ist nicht nur totalitär und indoktrinierend, sondern es wiederspricht der gesetzlich verbürgten Lehr- und Methodenfreiheit der Lehrpersonen! Eine Vielfalt von Schülern verlangt nach einer Vielfalt von Lernstrategien! Eine Vielfalt von Lehrpersonen, welche die Lehrmethode anwenden, für die sie sich am besten eignen, garantiert einen diversifizierten, bestmöglichen Unterricht! Lehrpersonen sollen Rollenmodelle und Vorbilder für die Schülerinnen und Schüler sein, und ihnen in jeder Lernsituation zur Verfügung stehen, ihr Wissen und ihre Erfahrung sind nicht durch I-Pads ersetzbar! Doch selbstverständlich haben auch I-Pads Platz im Unterricht: Als schuleigene Geräte gezielt und massvoll eingesetzt, und begleitet von der Lehrperson. Persönliche Smartphones und von der Schule bezahlte I-Pads für jeden einzelnen, die auch in der Freizeit benutzt werden dürfen, haben hingegen keinen Platz an der Volksschule!

Suzanne Weigelt, ehemals Lehrerin an der Seehalde